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Impfungen und Impfstoffe

Zusammengestellt und geprüft von S. Temizel, MPH, Fachärztin für Hygiene- und Umweltmedizin, Augsburg, und von Dr. Martina Bach, Fachredakteurin bei Thieme Compliance, Erlangen

Hinweis für aufklärende Ärzte: In unserem Portfolio zur Patientenaufklärung finden Sie neu den Aufklärungsbogen "Impfung gegen die Infektion mit SARS-CoV-2".

Mit Hochdruck wird an der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) geforscht. Mittlerweile haben in der Europäischen Union mRNA Impfstoffe (beispielsweise von BioNTech/Pfizer und Moderna) und Vektorimpfstoffe (z.B. von AstraZeneca und Johnson & Johnson) eine bedingte Marktzulassung.

Die Impfstoffe verhindern mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die Erkrankung an oder einen schweren Verlauf von COVID-19 – man nennt dies die funktionale bzw. protektive Immunität. Weitere Forschung ist nötig, um festzustellen, inwieweit eine Impfung auch die Weitergabe des Coronavirus verhindert (sterile Immunität). Diese liegt vor, wenn eine geimpfte Person nach Kontakt zu einer infektiösen Person selbst keine Infektion entwickelt (also in SARS-CoV-2 Tests kein positives Ergebnis zeigt). Erste Studienergebnisse zeigen, dass eine Impfung mit mRNA- Impfstoffen hier eine bessere Wirkung zeigt (ca. 70 – 90%), während dieser Wert mit etwas mehr als 50% bei Vektor-Impfstoffen geringer liegt. Auch wenn jetzt Impfstoffe zur Verfügung stehen, beachten Sie bitte daher weiterhin unbedingt die Hygieneregeln – v.a. im Kontakt zu ungeimpften Personen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem.

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Erbgut-basierte Impfstoffe (mRNA-Impfstoffe)

Einige der Impfstoffe funktionieren nach einem neuartigen Prinzip. Sie enthalten im Labor hergestelltes genetisches Material des SARS-CoV-2-Virus (mRNA) für ein bestimmtes Virusprotein. Nach der Impfung gelangt dieses Genmaterial in die menschlichen Zellen. Diese produzieren daraufhin selbst das Virusprotein. Es löst keine Erkrankung aus, sondern das Immunsystem wird dadurch angeregt, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden. Im Fall einer Infektion erkennt das Immunsystem den Erreger besser und kann ihn gezielt abwehren, sodass die Erkrankung verhindert oder abgeschwächt wird. Zur Gruppe der mRNA-Impfstoffe gehören der Impfstoff von Pfizer und BioNTech und ein Impfstoff des US-Konzerns Moderna.

Es wird zwar genetisches Material gespritzt, aber es ist praktisch unmöglich, dass dieses Material in das menschliche Erbgut eingebaut wird. In den Zellen werden die Virusproteine nachgebaut, dann wird die mRNA abgebaut und verschwindet.

Vektorimpfstoffe

Für diese Art von Impfstoff dienen entschärfte, bewährte Impfviren als Transportmittel, um eine neue Impfung herzustellen. In ein bekanntes abgeschwächtes Virus werden kurze Genbausteine von Oberflächeneiweißen des Coronavirus (SARS-CoV-2) eingebaut. Aus diesem Erbgut produzieren die Körperzellen daraufhin selbst diese Viruseiweiße. Dadurch wird das Immunsystem angeregt, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden. Im Fall einer Infektion erkennt das Immunsystem den Erreger und kann ihn gezielt abwehren, sodass die Erkrankung verhindert oder abgeschwächt wird. Nach dem Prinzip eines Vektorimpfstoffs funktioniert der Impfstoff von AstraZeneca.

Komplikationen nach der Impfung

Seit Beginn der großflächigen Impfungen im Frühjahr 2021 wurden – wie bei anderen Impfungen oder Arzneimitteln auch – die Nebenwirkungen nach Anwendung intensiv beobachtet. Hierfür gibt es ein bundesweites Meldesystem, das neben den Gesundheitsämtern durch das Paul-Ehrlich-Institut betreut wird.

Aufgrund des großen Medieninteresses wurden mögliche Impfnebenwirkungen unmittelbar und breit diskutiert. Viele Informationen wurden transparent verbreitet, gaben aber leider auch Verschwörungstheorien Vorschub. Nachgewiesen sind u.a. mittlerweile Zusammenhänge zwischen der Corona-Impfung und sehr seltenen Fällen von Sinusvenenthrombosen nach Vektorimpfstoffen und Myo-/Perikarditiden (Entzündungen des Herzmuskels/-beutels) nach Impfungen mit mRNA-Impfstoffen. Für beide Nebenwirkungen gilt: der Nutzen der Impfung übersteigt bei weitem die Risiken dieser Nebenwirkungen und deren Auswirkungen.

Dennoch ist es – wie nach jeder Impfung – wichtig, in den folgenden 2 Wochen auf mögliche Symptome einer Nebenwirkung zu achten und bei deren Auftreten ärztlichen Rat zu suchen.

Von Sinusvenenthrombosen, Blutgerinnseln in einer Hirnvene, die zu Schlaganfällen mit schwerem Krankheitsbild führen können, waren vor allem Frauen unter 55 Jahren betroffen. Auch Thrombosen (Blutgerinnsel) in anderen Blutgefäßen wurden berichtet. Symptome von Thrombosen und Sinusvenenthrombosen beinhalten Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Arm- / Beinschwellungen, schwere, anhaltende Kopfschmerzen, Schwindel oder andere neurologische Symptome sowie punktförmige Blutungen an der Haut. Daraufhin wurde die Impfempfehlung für Personen unter 60 Jahren angepasst – so wird in dieser Gruppe eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen.

Die Symptome einer Peri-/Myokarditis umfassen Brustschmerzen, Kurzatmigkeit oder Herzrhythmusstörungen (Herzrasen oder „Herzstolperer“). Diese Nebenwirkungen wurden v.a. bei jungen Männern beobachtet. Die bisher bekannten Fälle heilten zumeist folgenlos aus, somit ergab sich aus den beschriebenen Fällen bisher keine Änderung in den Impfempfehlungen.

Weitere Informationen

Das Robert Koch Institut hat zwei Filme über die Impfstoff-Entwicklung veröffentlicht. Sie behandeln folgende Fragen:

Informationen zu den vom BfArM und PEI genehmigten klinischen Prüfungen finden Sie im Europäischen „Clinical Trials Register“ sowie auf der Internet-Seite des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung. Eine internationale Übersicht bietet das Forschungsnetzwerk Cochrane. Weitere Informationen finden Sie beim Verband der forschenden Pharma-Unternehmen.

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