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Impfungen und Impfstoffe

Zusammengestellt und geprüft von S. Temizel, MPH, Fachärztin für Hygiene- und Umweltmedizin, Augsburg, und von Dr. Martina Bach, Fachredakteurin bei Thieme Compliance, Erlangen

Hinweis für aufklärende Ärzte: In unserem Portfolio zur Patientenaufklärung finden Sie neu den Aufklärungsbogen "Impfung gegen die Infektion mit SARS-CoV-2".

Mit Hochdruck wird an der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) geforscht. Für die Impfstoffe der Unternehmen BioNTech und Pfizer bzw. Moderna erteilte die Europäische Kommission die bedingte Marktzulassung. Bei beiden Produkten handelt es sich um mRNA Impfstoffe. Auch für den Impfstoff von AstraZeneca wurde die bedingte Marktzulassung erteilt. Hierbei handelt sich um einen Vektorimpfstoff.

Seit Anfang März gab es vermehrte Hinweise auf sehr seltene Nebenwirkungen bei der Verimpfung des Vektorimpfstoffes von AstraZeneca. Diese sogenannten Sinusvenenthrombosen, Blutgerinnsel in einer Hirnvene, können zu Schlaganfällen mit schwerem Krankheitsbild führen. Vor allem Frauen unter 55 Jahren waren betroffen. Im Verlauf zeigten sich noch weitere ähnliche Vorfälle – auch in anderen Venen des Körpers.

Nachdem die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zunächst eine weitere Anwendung des Impfstoffes empfohlen hatte, schränkte die STIKO, die ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, in einer vorläufigen Empfehlung am 30.03.2021 die Gabe des Impfstoffes für Personen unter 60 Jahren ein, da die bekannten Komplikationen beinahe ausnahmslos in der jüngeren Altersgruppe auftraten. Ähnliche Empfehlungen existieren in unseren Europäischen Nachbarländern.

Eine detaillierte Stellungnahme, für welche Personengruppen zukünftig der in seiner Wirkung gegen schwere Verläufe von COVID-19 zuverlässige Wirkstoff weiterhin verwendet werden kann und wie die Vervollständigung eines Impfzyklus mit AstraZeneca nach bereits erfolgter erster Impfung erreicht werden kann, wird in den nächsten Tagen und Wochen erwartet.

Das Paul-Ehrlich-Institut empfiehlt, dass sich Personen, die nach einer Impfung mit dem SARS-CoV-2 Impfstoff von AstraZeneca Symptome wie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen oder Arm- / Beinschwellungen bei sich beobachten, umgehend bei einer Ärztin / einem Arzt vorstellen sollen. Die Symptome einer Sinusvenenthrombose umfassen schwere, anhaltende Kopfschmerzen, Schwindel oder andere neurologische Symptome sowie punktförmige Blutungen an der Haut. Bei Auftreten solcher Symptome zwischen ca. 4. und 16. Tag nach einer Impfung mit AstraZeneca sollte ebenfalls umgehend medizinische Hilfe gesucht werden.

Die Impfstoffe verhindern mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die Erkrankung an oder einen schweren Verlauf von COVID-19. Weitere Forschung ist nötig, um festzustellen, ob eine Impfung auch die Weitergabe des Coronavirus verhindert. Auch wenn jetzt Impfstoffe zur Verfügung stehen, beachten Sie bitte daher weiterhin unbedingt die Hygieneregeln.

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Erbgut-basierte Impfstoffe (mRNA-Impfstoffe)

Einige der Impfstoffe funktionieren nach einem neuartigen Prinzip. Sie enthalten im Labor hergestelltes genetisches Material des SARS-CoV-2-Virus (mRNA) für ein bestimmtes Virusprotein. Nach der Impfung gelangt dieses Genmaterial in die menschlichen Zellen. Diese produzieren daraufhin selbst das Virusprotein. Es löst keine Erkrankung aus, sondern das Immunsystem wird dadurch angeregt, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden. Im Fall einer Infektion erkennt das Immunsystem den Erreger besser und kann ihn gezielt abwehren, sodass die Erkrankung verhindert oder abgeschwächt wird. Zur Gruppe der mRNA-Impfstoffe gehören der Impfstoff von Pfizer und BioNTech und ein Impfstoff des US-Konzerns Moderna.

Es wird zwar genetisches Material gespritzt, aber es ist praktisch unmöglich, dass dieses Material in das menschliche Erbgut eingebaut wird. In den Zellen werden die Virusproteine nachgebaut, dann wird die mRNA abgebaut und verschwindet.

Vektorimpfstoffe

Für diese Art von Impfstoff dienen entschärfte, bewährte Impfviren als Transportmittel, um eine neue Impfung herzustellen. In ein bekanntes abgeschwächtes Virus werden kurze Genbausteine von Oberflächeneiweißen des Coronavirus (SARS-CoV-2) eingebaut. Aus diesem Erbgut produzieren die Körperzellen daraufhin selbst diese Viruseiweiße. Dadurch wird das Immunsystem angeregt, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden. Im Fall einer Infektion erkennt das Immunsystem den Erreger und kann ihn gezielt abwehren, sodass die Erkrankung verhindert oder abgeschwächt wird. Nach dem Prinzip eines Vektorimpfstoffs funktioniert der Impfstoff von AstraZeneca.

Das Robert Koch Institut hat zwei Filme über die Impfstoff-Entwicklung veröffentlicht. Sie behandeln folgende Fragen:

Informationen zu den vom BfArM und PEI genehmigten klinischen Prüfungen finden Sie im Europäischen „Clinical Trials Register“ sowie auf der Internet-Seite des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung. Eine internationale Übersicht bietet das Forschungsnetzwerk Cochrane. Weitere Informationen finden Sie beim Verband der forschenden Pharma-Unternehmen.

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