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Impfungen und Impfstoffe

Zusammengestellt und geprüft von S. Temizel, MPH, Fachärztin für Hygiene- und Umweltmedizin, Augsburg, und von Dr. Martina Bach, Fachredakteurin bei Thieme Compliance, Erlangen

Hinweis für aufklärende Ärzte: In unserem Portfolio zur Patientenaufklärung finden Sie den Aufklärungsbogen "Impfung gegen die Infektion mit SARS-CoV-2" sowie neu den Bogen "Auffrischimpfung gegen die Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2".

Mit Hochdruck wird an der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) geforscht. In der Europäischen Union haben mRNA Impfstoffe (von BioNTech/Pfizer und Moderna), Vektorimpfstoffe (von AstraZeneca und Johnson & Johnson) sowie ein Proteinimpfstoff (von Novavax) eine bedingte Marktzulassung.

Generell schützen die COVID-19-Impfstoffe sehr gut vor schweren Erkrankungen und Tod durch COVID-19. Die Impfung reduziert auch das Übertragungsrisiko von Geimpften auf deren Kontaktpersonen. Allerdings zeigte sich, dass der Impfschutz mit der Zeit nachlässt und Infektionen ohne Symptome bzw. milde Krankheitsverläufe auftreten können. Beachten Sie bitte daher weiterhin unbedingt die Hygieneregeln – v.a. im Kontakt zu ungeimpften Personen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem.

Im höheren Alter fällt die Immunantwort nach der Impfung insgesamt geringer aus, und Neuinfektionen trotz Impfung (Impfdurchbrüche) können häufiger auch zu einem schweren Krankheitsverlauf führen. Studienergebnisse zeigen, dass eine dritte Impfung das Risiko für Infektionen und schwere Verläufe nochmal senken kann. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Personen ab 12 Jahren eine Auffrischimpfung.

Die Auffrischimpfung dient sowohl dem Selbstschutz als auch dem Schutz der Mitmenschen und lässt einen längerfristigen Impfschutz erwarten. Die Auffrischimpfungen soll in der Regel im Abstand von mindestens 3 Monaten zur letzten Impfstoffdosis erfolgen. Unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde, soll für die Auffrischimpfung ein mRNA-Impfstoff verwendet werden. Menschen unter 30 Jahren sowie Schwangere sollen nur mit Comirnaty® von BioNTech/Pfizer geimpft werden. Für bestimmte, gesundheitlich besonders gefährdete Personengruppen empfiehlt die Ständige Impfkommission eine 2. Auffrischimpfung.

Eine Schwangerschaft stellt einen Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf dar, und COVID-Infektionen erhöhen bei Schwangeren das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen. Noch ungeimpften Stillenden oder Schwangeren wird die Impfung mit 2 Dosen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty® von BioNTech/Pfizer ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel empfohlen.

Die STIKO empfiehlt die Verwendung von Comirnaty® ab 12 Jahren, die Verwendung von Spikevax® ab 30 Jahren und die Verwendung der Impfstoffe Vaxzevria® und COVID-19 Vaccine Janssen® ab dem Alter von 60 Jahren.

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Erbgut-basierte Impfstoffe (mRNA-Impfstoffe)

Einige der Impfstoffe funktionieren nach einem neuartigen Prinzip. Sie enthalten im Labor hergestelltes genetisches Material des SARS-CoV-2-Virus (mRNA) für ein bestimmtes Virusprotein. Nach der Impfung gelangt dieses Genmaterial in die menschlichen Zellen. Diese produzieren daraufhin selbst das Virusprotein. Es löst keine Erkrankung aus, sondern das Immunsystem wird dadurch angeregt, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden. Im Fall einer Infektion erkennt das Immunsystem den Erreger besser und kann ihn gezielt abwehren, sodass die Erkrankung verhindert oder abgeschwächt wird. Zur Gruppe der mRNA-Impfstoffe gehören der Impfstoff von Pfizer und BioNTech und ein Impfstoff des US-Konzerns Moderna.

Es wird zwar genetisches Material gespritzt, aber es ist praktisch unmöglich, dass dieses Material in das menschliche Erbgut eingebaut wird. In den Zellen werden die Virusproteine nachgebaut, dann wird die mRNA abgebaut und verschwindet.

Vektorimpfstoffe

Für diese Art von Impfstoff dienen entschärfte, bewährte Impfviren als Transportmittel, um eine neue Impfung herzustellen. In ein bekanntes abgeschwächtes Virus werden kurze Genbausteine von Oberflächeneiweißen des Coronavirus (SARS-CoV-2) eingebaut. Aus diesem Erbgut produzieren die Körperzellen daraufhin selbst diese Viruseiweiße. Dadurch wird das Immunsystem angeregt, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden. Im Fall einer Infektion erkennt das Immunsystem den Erreger und kann ihn gezielt abwehren, sodass die Erkrankung verhindert oder abgeschwächt wird. Nach dem Prinzip eines Vektorimpfstoffs funktioniert der Impfstoff von AstraZeneca.

Proteinimpfstoffe (Eiweißimpfstoffe)

Der bisher zugelassene Proteinimpfstoff enthält winzige, künstlich im Labor hergestellte Teile des Spike-Proteins des SARS-CoV-2-Virus. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung damit Antikörper gegen das Protein und kann so eine COVID-19-Erkrankung abwehren. Zudem enthält der Proteinimpfstoff als Wirkverstärker (Adjuvans) Saponin, das die Wirkung der Impfung verstärken soll. Zu dieser Gruppe zählt der neu in der EU zugelassene Impfstoff von Novavax mit der Bezeichnung Nuvaxovid.

Durch die Impfung entstehen im Körper keine Coronaviren. Die im Impfstoff enthaltenen Eiweiß-Partikel können sich nicht vermehren.

Komplikationen nach der Impfung

Seit Beginn der großflächigen Impfungen im Frühjahr 2021 wurden – wie bei anderen Impfungen oder auch Arzneimitteln– die Nebenwirkungen nach Anwendung intensiv beobachtet. Hierfür gibt es ein bundesweites Meldesystem, das neben den Gesundheitsämtern durch das Paul-Ehrlich-Institut betreut wird.

Aufgrund des großen Medieninteresses wurden mögliche Impfnebenwirkungen unmittelbar und breit diskutiert. Viele Informationen wurden transparent verbreitet, gaben aber leider auch Verschwörungstheorien Vorschub. Nachgewiesen sind u.a. mittlerweile Zusammenhänge zwischen der Corona-Impfung und sehr seltenen Fällen von Sinusvenenthrombosen nach Vektorimpfstoffen und Myo-/Perikarditiden (Entzündungen des Herzmuskels/-beutels) nach Impfungen mit mRNA-Impfstoffen. Für beide Nebenwirkungen gilt: der Nutzen der Impfung übersteigt bei weitem die Risiken dieser Nebenwirkungen und deren Auswirkungen.

Dennoch ist es – wie nach jeder Impfung – wichtig, in den folgenden 2 Wochen auf mögliche Symptome einer Nebenwirkung zu achten und bei deren Auftreten ärztlichen Rat zu suchen.

Von Sinusvenenthrombosen, Blutgerinnseln in einer Hirnvene, die zu Schlaganfällen mit schwerem Krankheitsbild führen können, waren vor allem Frauen unter 55 Jahren betroffen. Auch Thrombosen (Blutgerinnsel) in anderen Blutgefäßen wurden berichtet. Symptome von Thrombosen und Sinusvenenthrombosen beinhalten Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Arm- / Beinschwellungen, schwere, anhaltende Kopfschmerzen, Schwindel oder andere neurologische Symptome sowie punktförmige Blutungen an der Haut. Daraufhin wurde die Impfempfehlung für Personen unter 60 Jahren angepasst – so wird in dieser Gruppe eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen.

Die Symptome einer Peri-/Myokarditis umfassen Brustschmerzen, Kurzatmigkeit oder Herzrhythmusstörungen (Herzrasen oder „Herzstolperer“). Diese Nebenwirkungen wurden v.a. bei jungen Männern beobachtet. Die bisher bekannten Fälle heilten zumeist folgenlos aus, einzelne Personen verstarben allerdings.

Weitere Informationen

Das Robert Koch Institut hat zwei Filme über die Impfstoff-Entwicklung veröffentlicht. Sie behandeln folgende Fragen:

Die Website des Robert Koch Instituts bietet einen guten Überblick über Kenntnisstand und Empfehlungen zur COVID-19-Impfung.

Diese Videos von Mai Thi Nguyen-Kim über die COVID-19 Impfung und den Verlauf der Pandemie fassen die wichtigsten Fakten zusammen:

Informationen zu den vom BfArM und PEI genehmigten klinischen Prüfungen finden Sie im Europäischen „Clinical Trials Register“ sowie auf der Internet-Seite des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung. Eine internationale Übersicht bietet das Forschungsnetzwerk Cochrane. Weitere Informationen finden Sie beim Verband der forschenden Pharma-Unternehmen.

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